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Mein Resumee 2011
 

Das letzte Turnier der Saison 2011 liegt hinter uns und nun, in dem etwas ruhigeren Monat November, finde ich auch Zeit ein Resümee der diesjährigen Saison zu ziehen.

Mein Top Pferd Lanfranco TSF, ein 11 jähriger Trakehner, abstammend von dem französichen Hindernisrennpferd Bulrush, hat besonders zum Ende der Saison gezeigt was in ihm steckt und meine Hoffnungen in ihn voll erfüllt. Bereits im Mai hatten wir einige tolle Resultate in diversen nationalen M-/S-Prüfungen in England und unsere mäßigen Ergebnisse, besonders im Juni und Juli, hatten sicher ihren Ursprung in meiner schlechten persönlichen Verfassung. Die Trennung von meinem Mann Andrew hat mich völlig aus der Bahn geworfen und besonders Lanfranco TSF bin ich zu der Zeit wirklich nicht gerecht geworden. Gott sei Dank hatte ich im Herbst etwas Kraft zurück gewonnen und dann war auch Lanfranco wieder voll bei der Sache. Die letzten 2 Turniere, ebenfalls in England, haben riesigen Spaß gemacht.

Hartpury College war die erste Station im Herbst, wo er im August in einer CIC*** an den Start gegangen ist. Die Dressur war sicher etwas hinter den Erwartungen geblieben, aber zumindest unter -50 Punkten und das, obwohl er das Stadion schon recht spannend fand. Lanfranco TSF hat sich total angestrengt und auch nach kleinen Fehlern seine Konzentration schnell wieder erlangt. Im Springen hatten wir einen Abwurf, der erste Springfehler im ganzen Jahr und wirklich nur ein Flüchtigkeitsfehler, beim Einsprung in die Dreifache. Vor dem Gelände hatten etliche Reiter ihre Pferde zurück gezogen, denn sie fanden den Boden zu hart. Ich wollte unbedingt reiten, war ich doch extra aus Deutschland für nur die eine Prüfung nach England gefahren. Der Boden war dann definitiv nicht so hart, wie zunächst befürchtet, aber der Kurs war doch schwerer zu reiten, als viele vorher gedacht hatten. Lanfranco war fantastisch, meisterte alle technischen Abfragungen mit Bravour und wir wurden in einem starken Feld mit dem 7. Platz belohnt.

Nun bin ich ja mittlerweile extrem viel als Trainer unterwegs und versuche auch auf den Turnieren, wo ich selber reite, mich um meine Schüler zu kümmern, die oft in den gleichen Prüfungen an den Start gehen. Für mich gibt es dabei keinerklei Interessenskonflikte, denn ich freue mich über die guten Ergebnisse meiner Schüler genauso sehr, wie über meine eigenen. In der Prüfung ist jeder allein, reitet für die Richter in der Dressur, gegen den Kurs im Springen und auch im Gelände - der Beste soll gewinnen! In Hartpury war das dann mein Schüler Bill Levett (AUS), der eine Abteilung gewinnen konnte. Darüber habe ich mich riesig gefreut hat, denn es war sein erster 3 Sterne Sieg.

Weiter ging es für mich und Lanfranco in Blenheim, als Highlight der Saison 2011. Wir waren schon 10 Tage vor Prüfungsbeginn angereist, denn ich hatte einige Schüler, die ein Woche zuvor in Burghley an den Start gehen wollten und um meine Hilfe baten. Wie im Mai war ich mit Pferd und Hund bei Jules Stiller in Headley Stud eingezogen. Dort trainiert auch Mark Todd, bei dem ich netterweise immer wohnen kann. Meine amerikanischen Schüler, Boyd Martin, Michael Pollard und Will Coleman, hatten ebenfalls ihre Pferde bei Jules, sodass es einfach war das Training meiner eigenen Pferde und meinen Unterricht zu kombinieren.

Will konnte dann leider in Burghley nicht an den Start gehen, da sein Twizzel, der übrigens von Simone Böckmann ausgebildet wurde, nicht ganz in Ordnung war. Michael hatte eine sehr gute Dressur, aber dann leider einen Sturz zum Ende der Strecke. Icarus hatte sich einen Virus eingefangen, der an den vorherigen Tagen leider nicht entdeckt wurde, aber ihn in der Belastung doch zu stark ermüdete. Boyd hatte ein super Ergebnis mit Neville. Die beste Dressur bis dato, eine tolle Geländerunde und nur einen Fehler im Parcour ergaben ein Top-Ten-Ergebnis. Diese Platzierung ist umso bemerkenswerter, denn vor einigen Monaten hatte es durch einen elektrischen Fehler einen fatalen Brand in Boyd's Stall gegeben. Etliche Pferde hatten das Feuer nicht überlebt und Boyd hatte Neville als letztes Pferd mit starken Rauchvergiftungen und auch Verbrennungen in der Luftröhre aus den Flammen retten können. Das war nur möglich, weil Neville einen Kopperriemen trägt. In dem starken Rauch konnte Boyd nur nach den Pferden fühlen, aber nichts sehen. An dem Riemen konnte er Neville dann aus dem Stall ziehen, ein Halfter hätte er in der ihm noch verbliebenen Zeit nicht mehr überziehen können.

Nach langem Klinikaufenthalt konnte Neville dann endlich wieder nach Hause, aber ob er jemals wieder eine 4 Sterne Prüfung gehen konnte, lag zunächst wirklich in den Sternen. Er erholte sich Dank seiner vielen Freunde schneller und besser als alle erhofft hatten und konnte Ende August die Reise von Amerika nach England antreten, um sich in Burghley zu zeigen und eventuell schon ein Ticket für die Olympischen Spiele im nächsten Jahr in London einzulösen. Ich glaube, das gesamte Team um Boyd und Neville hatte am Geländetag Tränen in den Augen, mich eingeschlossen, so ein Kämpfer. Und jetzt geht es für beide nach London 2012!

Nun aber zu Blenheim. Wir siedelten am Mittwoch mit den Pferden in die dortigen Ställe und da ich mal wieder allein mit Pferd und Hund unterwegs war, hatte Mark Todd's Pferdepflegerin Charlie sich netterweise angeboten, mir mit Lanfranco zu helfen. Die Dressur war diesmal spitze, was mit dem Spitzenplatz nach der Dressur auch toll belohnt wurde. Das Richtergremium, unter anderen der deutsche Richter Ernst Topp, gaben Lanfranco 42,1 Minuspunkte. Im Gelände wollte ich auf gar keinen Fall Fehler machen und war zum Ende der Strecke etwas zu vorsichtig, was uns dann 7,6 Punkte für Zeit einbrachte. Somit fielen wir auf den 5. Platz nach dem Gelände zurück. Insgesamt war ich aber überglücklich, wie toll Frankie das Gelände gemeistert hatte, denn er war recht motiviert und stark zu Beginn, ließ sich dann aber toll reiten im Verlauf der Strecke. Am nächsten Tag mussten leider 2 Pferde, die auf einem vorderen Platz lagen zurückgezogen werden, sowohl Pippa Funell, als auch Piggy French stellten je eins ihrer Pferde nicht mehr vor. Lanfranco war super fit nachdem konditionell anstrengenden Gelände und ich freute mich auf das Springen. Zunächst aber war ein Shopping Trip angesagt, denn meine Freundinnen, Caroline Powell und Jacky Green, sagten mir, dass ich nun meine eigenen Farben im Gelände tragen müßte. Also gesagt - getan: die neuen Farben, ein Überzug mit schwarzen und anthrazitfarbenen Streifen, ziert jetzt meinen Sturzhelm. So positiv eingestellt hatte ich dann eine tolle Nullrunde in einem sehr schweren Parcour und wir beendeten die Saison mit einem super 3. Platz bei einem anspruchsvollen CCI***.

Nach einigen Gesprächen mit Hans Melzer ist nun ein Start in der 4 Sterne Prüfung in Badminton im nächsten Jahr geplant. Im Olympiakader werden sicherlich zunächst die Championatsreiter und Pferde aus diesem Jahr sein, aber wie Hans mir sagte, wird die Tür für London nicht zugemacht und mit einem guten Ergebnis in Badminton können wir uns vielleicht auch noch empfehlen. Die direkte Vorbereitung auf Badminton möchte ich dann gerne in England vornehmen, um so auch meinen Trainerverpflichtungen in England leichter nachkommen zu können. Meine anderen Pferde werde ich dann ebenfalls mitnehmen, um ihnen dort die Gelegenheit zu geben neue Erfahrungen zu sammeln.

Designer, mein super 7-jähriger Westfale von Dali x aus einer Concepcion Mutter, ist einer davon. Er hatte eine geniale Saison und hat den Sprung von 1- auf 2-Sterne-Niveau mit spielerischer Leichtigkeit vollzogen. Das Highlight seiner Saison war definitiv die WM der jungen Vielseitigkeitspferde, Ende Oktober in Le Lion d'Anger. Da wird bei den 7 jährigen schon mal die Spreu vom Weizen getrennt, denn bei einer so anspruchsvollen Prüfung galt es vollen Einsatz zu zeigen. Meine neuen Geländefarben hatten ihr Debut in Varssefeld, wo Designer einfach fantastisch im Gelände gegangen war, sodass ich mich sehr auf einen neuen Einsatz meiner Farben freute.

Die Dressur blieb etwas hinter den Erwartungen zurück, was in erster Linie an der australischen Richterin Gill Rolton lag, die Designer's Hals nicht so mochte. Er ist super weich in der Anlehnung und tritt machmal noch nicht ganz so an das Gebiß heran, wie er für das optimale Seitenbild müßte. Aber er ist durchlässig, sehr gehorsam und wenn er über den Winter noch etwas mehr Kraft im Rücken bekommt, wird auch die Nase noch etwas mehr vorkommen können. Wir bekamen eine 46,5 in der Dressur und lagen damit auf dem 11. Platz. Wie gesagt, das Gelände war sehr schwer und wesentlich anspruchsvoller, als in den vorangegangenen Jahren. Von 69 Startern traten nur noch 48 im Parcour an, davon blieben nur 28 ohne Hindernisfehler im Gelände und davon waren nur 13 Paare innerhalb der erlaubten Zeit von 10! Minuten. Designer und ich kämpften uns auf den 5. Platz nach dem Gelände vor, mit einer traumhaft coolen Runde innerhalb der erlaubten Zeit. 2 meiner Schüler, Jonelle Richards und Paul Tapner klopften mir nach dem Gelände lächelnd auf die Schulter und sagten sie hätten mich schon lange nicht mehr so gelöst und gut reiten sehen. Das tat gut! Am nächsten Tag konnte man den jungen Pferden schon anmerken, daß die Anstrengungen des Geländes nicht ganz so spurlos an ihnen vorbei gegangen sind. Die meisten Pferde sprangen sicher nicht ganz so frisch, wie sie es normalerweise tun und der Parcour selektierte noch mal sehr. Designer machte einen blöden Fehler, gleich an Sprung 3, wie viele andere auch. Andreas Brand's Escada sprang eine tolle Nullrunde und er konnte sich damit auf den Silberplatz vorarbeiten. Designer und ich verloren durch den Springfehler einen Platz, waren aber mit Rang 6 super glücklich und lieferten das zweitbeste Ergebnis der deutschen Teilnehmer in der Altersklasse der 7 jährigen Pferde.

Nach der tollen Geländerunde bin ich mir sicher, das nächste 3 bis 4-Sterne-Pferd im Stall zu haben und ich freue mich schon ihn im nächsten Jahr auf dem nächst höheren Level vorzustellen.

Die Nr.3 im Stall ist Just a Dancer. Ein 4-jähriger Oldenburger Hengst von Junior Mariner aus einer Furioso-Mutter. Er wurde ursprünglich von unserem ehemaligen thailändischen Schüler Promton Kingwan gekauft. Mitte 2011 konnte ich 2 Freunde von mir überreden, ihn gemeinsam zu kaufen und zu fördern: Marret Leers, der früher Lanfranco gehörte und mit der mich eine besondere Freundschaft verbindet, sowie Werner Schupp, mit dem ich als Junior schon an vielen Vielseitigkeitsturnieren gemeinsam teil genommen habe. Er war von Anfang an auf jedem Turnier zu Hause, wie ein alter Hase und glänzte mit Siegen und Platzierungen in jeder Prüfung. Auch im Geländetraining kann ihn nichts schocken und ich habe selten auf einem Pferd gesessen, das so selbstverständlich über jeden Graben und in jedes Wasser springt. Sein Plan für das nächste Jahr ist sich für das Bundeschampionat zu qualifizieren und an einigen Vielseitigkeitsturnieren in Deutschland, aber auch in England, teilzunehmen. Last but not least ist Querdolan Vitarel zu nennen, ein 7 jähriger französicher gekörter Hengst. Er ist im Besitz meines amerikanischen Schülers Michael Pollard und wurde bis Anfang diesen Jahres in Frankreich trainiert. Was auch immer dort gemacht wurde war mehr als schlecht, denn er war nicht nur unerzogen, sondern auch extrem schlecht geritten. So langsam wird er besser und kann seine Qualitäten, besonders am Sprung zeigen. Er ist mit einem grossen Vermögen am Sprung ausgestattet, hat aber nie gelernt seinen Körper positiv zu spannen und Ausdauer zu erlangen. Dressurmässig hat er sich schon toll entwickelt und lernt zur Zeit mit der Arbeit an der Hand das Piaffieren, um ihn im Hinterbein schneller zu machen. Das Geländetraining macht ihm sehr viel Spaß und er ist sehr mutig. Über den Winter werde ich ihn nun weiter fördern. Im nächsten Jahr werden wir uns dann langsam an den Sport herantasten und sehen, wie er sich anstellt. Als Deckhengst ist er bereits mehrfach zum Einsatz gekommen und man darf gespannt sein, wie sein erster Fohlenjahrgang aussieht.

Das war mein persönliches Resümee für meine Pferde und nun fehlt mir nur noch ein motiviertes Team bestehend aus einem Working Student und einem/ einer Pferdepfleger/in und der Winter mit dem anschließenden Start in das neue Jahr kann kommen.

Eure/Ihre Bettina Hoy


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Bettina Hoy . c/o DOKR . Freiherr von Langen Str. . Warendorf